Holodomor - Vernichtung durch Hunger/13 Die Wahrheit bahnt sich einen Weg: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 13. Oktober 2019, 07:19 Uhr

Das kommunistische Regime versuchte, die Wahrheit über den Mord an Millionen eigener Staatsbürger zu Friedenszeiten zu verbergen. Über den Tod durch Hunger wurde in der offiziellen Presse nichts geschrieben, und auch Parteifunktionäre schwiegen darüber. Hingegen priesen die zensierten Zeitungen die Parteiführung für ihren Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen zugunsten der Bauern an.

55 Jahre lang war es gefährlich, den Hunger in der Ukraine öffentlich auch nur zu erwähnen. Sickerten dennoch Informatio-nen durch, dann nur im Zusammenhang mit „Problemen bei der Versorgung mit Lebensmitteln“, „unzureichender Registrierung der Todesfälle“ und „dem Durchbruch in der Landwirtschaft“.

Das Holodomor-Verbrechen wurde zum größten Geheimnis des Sowjetregimes. Aber die westlichen Journalisten Malcolm Maggeridge und Gareth Jones hatten die hungernden ukrainischen Dörfer im Jahr 1933 mit eigenen Augen gesehen und Reportagen über die schreckliche Realität veröffentlicht.

Ukrainer aus den Ländern Europas und Nordamerikas versuchten, die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf die vom kommunistischen Regime verursachte Katastrophe zu lenken. Nach dem 2. Weltkrieg wurden in Europa und Nord-amerika erste Erinnerungen, Memoiren und wissenschaftliche Forschungsarbeiten über den Holodomor veröffentlicht. 1953 bezeichnete der amerikanische Jurist Rafael Lemkin, der den Ter-minus „Genozid“ einführte, den Holodomor als „klassisches Bei-spiel eines Genozids“.

1963 erscheint in New York der Roman „Gelber Fürst“ von Wassyl Barka. 1970 wird die in der UdSSR verbotene Erzählung „Alles fließt“ von Wassili Grossman herausgegeben. Heute gelten diese Werke als die bekanntesten Publikationen über die Hungerjahre von 1932-1933.

1983 fanden in den USA und in Kanada vielbeachtete Veranstaltungen anlässlich des 50. Holodomor-Jahrestages statt. In demselben Jahr wurde auch das erste Denkmal für die Opfer des Holodomor von 1932-1933 im kanadischen Edmonton errichtet.

1984 berief der US-Kongress eine Sonderkommission, bestehend aus zwei Senatoren und vier Vertretern des Repräsentantenhauses, zur Untersuchung der Hungersnot in der Ukraine ein. Zum Geschäftsführer der Kommission wurde der amerikanische Historiker James Mace ernannt. Gestützt auf Aussagen von Augenzeugen und auf die durchgeführten Untersuchungen kam die Kommission zum Schluss, dass „Josef Stalin und sein Gefolge in den Jahren 1932-1933 einen Genozid am ukrainischen Volk verübt hatten“. 1988 billigte der US-Kongress den Bericht der Kommission.

1986 erscheint das Buch des amerikanischen Historikers Robert Conquest „Ernte des Todes“, welches die westliche akademische Gemeinschaft auf das Thema Holodomor aufmerksam machte.1988 wurde auf Initiative des Weltkongresses der Freien Ukrainer eine internationale Juristenkommission gebildet, die die Zeugnisse über den Holodomor von 1932-1933, dessen Ursachen und Folgen erforschen und die Schuldigen benennen sollte. Die Kommission setzte sich aus hochqualifizierten Juristen und Experten für internationales Recht sowie Strafrecht aus Schweden, Großbritannien, Argentinien, Belgien, Frankreich, den USA und Kanada zusammen. Die Kommissionsmitglieder erkannten den Holodomor 1932-1933 als einen Akt des Genozids an der ukrainischen Nation an.

Unter dem Einfluss dieser Enthüllungen war die UdSSR in den letzten Jahren ihrer Existenz gezwungen, die Tatsache der Hungersnot von 1932-1933 anzuerkennen.

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Quelle

Broschüre des Ukrainischen Instituts für Nationales Gedenken