Holodomor - Vernichtung durch Hunger/08 Chronik des Mordes durch Hunger: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 13. Oktober 2019, 07:01 Uhr

1932, Juli

Der Ukraine werden vorsätzlich nicht erfüllbare Plansolls für Getreideablieferungen gestellt.

1932, 9. August

Verbot des freien Brot-Handels.

1932, 7. August

Der Beschluss zum „Schutz des sozialistischen Eigentums“, im Volksmund auch das „Fünf-Ähren-Gesetz“ genannt, wird gefasst. Das Pflücken von nur wenigen Pflanzen auf dem Kolchosfeld hatte mehrjährige Haftstrafen zur Folge.

1932, 22. August

Verbot der Brot-Verteilung zur öffentlichen Verpflegung der Kolchosarbeiter. Diese mussten ihr eigenes Brot mitbringen.

1932, 25. Oktober

Eine Sonderkommission zur Getreidebeschaffung, angeführt vom Regierungschef der UdSSR, Wjatscheslaw Molotow, trifft aus Moskau in der Ukraine ein. Sie hat die Aufgaben, die Repressionen zu verschärfen und die Getreiderequirierungen bei den ukrainischen Bauern zu verschärfen.

1932, 18 November

In der Ukraine werden gemäß Beschluss des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei „Schwarze Listen“ und Strafen in Form von Naturalien für „geschuldete“ Getreideablieferungen eingeführt, obwohl die Bauernhöfe das unrealistische Plansoll gar nicht erfüllen konnten. Daraufhin wurde der gesamte Bestand an Lebensmitteln und Vieh konfisziert.

1932, November

In alle administrativen Einheiten werden Vertreter mit Sondervollmachten für die Getreidebeschaffung entsandt. In den Dörfern werden Sondereinsatzkommandos für die Suche und Konfiszierung von Getreide, Lebensmitteln und Vieh in privaten Bauernhöfen, zusammengestellt. An dieser Kampagne werden das gesamte Milizpersonal, die Sicherheitsdienste und örtlichen Mitglieder der Kommunistischen Partei und des Komsomol hinzugezogen.

1932, 23. November

Die sowjetischen Sondereinsatzkommandos starten mit der geheimen Spezialoperation zur Beseitigung all jener, die sich der Getreiderequirierung widersetzen könnten. Die Operation umfasste 243 Kreise in der Ukraine.

1932, 6. Dezember

Auf Beschluss der Regierung werden 6 Dörfer auf die „Schwarze Liste“ gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Liste bereits über 400 Siedlungen oder Kolchosen.

1932, 10. Dezember

Stalin persönlich gibt den Befehl, die Unterlagen zum Strafverfahren gegen die Führung des Kreises Orichiw (damals Gebiet Dnipropetrowsk) unter der Parteiführung zu verbreiten. Den Angeklagten wurde unterstellt, Sabotageaktionen gegen die Getreidesammlungen zu betreiben. An den sogenannten „ukrainischen Saboteuren“ sollte ein Exempel statuiert werden.

1932, 14. Dezember

Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei und der Rat der Volkskommissare der UdSSR erlassen den Geheimbeschluss „Über die Getreidebeschaffung in der Ukraine, im Nordkaukasus und in der West-Region“. Er sah insbesondere die massenhafte Aufhebung ukrainischer Schulen im Kubangebiet und die Massenverfolgung ukrainischer Intellektueller vor. Der Inhalt dieses Geheimbeschlusses beweist, dass mit Hilfe des künstlich organisierten Hungers die ukrainische Identität und die ukrainische Nation hätten vernichtet werden sollen. 1932, Dezember Für die Intensivierung der Getreiderequirierungen in der Ukraine wurden aus Moskau die führenden Parteifunktionäre Lasar Kaganowitsch und Pawel Postyschew entsandt.

1932, 24. Dezember

Aus denjenigen ukrainischen Dörfern, welche die räuberischen und unrealistischen Pläne der Getreiderequirierungen nicht erfüllt hatten, wurden sämtliche Getreidereserven und das Saatgut beschlagnahmt und weggebracht.

1933, 1. Januar

Stalin ordnete an, die ukrainischen Bauern über den Sonderbeschluss des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei in Kenntnis zu setzen, worin jeder Bauer, welcher kein Getreide abliefern würde, mit der Anwendung äußerst repressiver Maßnahmen zu rechnen habe. 1933, Januar Aufgrund des Beschlusses vom 1. Januar 1933 wurden bei Massendurchsuchungen den Bauern die letzten Lebensmittelreserven entzogen. Damit wurden diese faktisch zum Hungertod verurteilt. 1933, 22. Januar Die Direktive Josef Stalins verbot den Bauern die Ausreise aus den Hungergebieten der Ukraine und des Kuban in andere Regionen der Sowjetunion. Allein in den ersten anderthalb Monaten seit der Veröffentlichung der Direktive wurden fast 220.000 Bauern an der Ausreise gehindert. Davon wurden 186.000 mit Gewalt nach Hause zurückgeschickt, wo sie der Hungertod erwartete.

1933, 24. Januar

Stalin ernennt P. Postyschew, den zweiten Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei (Bolschewiki) der Ukraine, zum faktischen Führer der Sowjet-Ukraine.

1933, Februar

Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei (Bolschewiki) verabschiedet die ersten Sonderbestimmungen über selektive Hilfen für die Ukraine zur Sicherung der Kampagne zur Frühjahrssaat.

1933, Frühling

Das kommunistische Regime beginnt eine großangelegte Kampagne zur „Säuberung“ von ukrainischen Nationalisten. Das Ausmaß der damaligen politischen Repressionen in der Ukraine ist vergleichbar mit dem Großen Terror in den Jahren 1937-1938. Nach offiziellen Angaben wurden in der Ukraine 1933 über 124.000 Personen verhaftet. Das ist mehr als im Jahr 1938.

1933, März

Es gilt ein stillschweigendes Verbot für die Wörter „Hunger“ und „Hungersnot“ als Bezeichnung für die Lage in den ukrainischen Dörfern. In den Parteidokumenten wird lediglich von „Lebensmittelengpässen“ gesprochen.

1933, Juni

Die Rate der an Hunger Verstorbenen in der Ukraine erreicht ihren Höhepunkt: Nach Schätzungen von Demografen starben im Juni in der Ukraine über eine Million Menschen.

1933, August

Das Politbüro des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei (Bolschewiki) beschließt die Gründung eines Allunions-Umsiedlungskomitees und beginnt mit der Umsiedlung der Kolchosbauern aus den russischen Gebieten und aus Weißrussland in die vom Hunger betroffenen, zwischenzeitlich menschenleeren, Dörfer der Ukraine. Bis Ende 1933 wurden über 100.000 Menschen umgesiedelt.

1933, Herbst

Sterberegister mit Angaben zum Jahr 1933 werden aus den Dorfgemeinden entfernt.

1934, Januar

Auf dem XII. Parteitag der KP(b)U erklärt der damalige kommunistische Führer der Republik, Pawel Postyschev, dass das Jahr 1933 zum „Jahr der Zerschlagung der nationalistischen Konterrevolution“ wurde. „Und als gesagt wurde: Schlag ihn, den Nationalisten, den Konterrevolutionär, schlag diesen Abschaum, schlag kräftiger zu, hab keine Angst, – da gingen die Aktivisten, Parteigenossen und Komsomolzen bolschewistisch ans Werk – und die Kolchosen erblühten“.

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Quelle

Broschüre des Ukrainischen Instituts für Nationales Gedenken