Holodomor - Vernichtung durch Hunger/05 Widerstand: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 13. Oktober 2019, 07:01 Uhr

Die Politik der Kollektivierung erschütterte die Bauern. Für sie war ihr Boden und Privateigentum ihr ein und alles. Sie waren unter keinen Umständen dazu bereit, sich freiwillig von beidem für die illusorischen Ideale des Kommunismus loszusagen.

Die Taten des Regimes riefen Unzufriedenheit unter der Bevölkerung in verschiedenen Regionen der UdSSR hervor, insbesondere in der Ukraine. Hier begannen die Bauern heftigsten Widerstand zu leisten. Die Gegenwehr der ukrainischen Bauernschaft verstärkte sich zeitgleich mit dem forcierten Tempo der Kollektivierung.

Der Höhepunkt der Proteste wurde im März 1930 erreicht. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Staatsapparat in der Ukraine durch Erpressung und Terror bereits mehr als zwei Drittel der Bauernhöfe zum Beitritt zu den Kolchosen gezwungen.

Die Bauernunruhen oder „Wolynky“, wie sie von den Kommunisten abschätzig genannt wurden, erfassten vom Februar bis März 1930 nahezu die gesamte Ukraine. Die Tschekisten (Mitarbeiter der Geheimpolizei Tscheka) hielten in ihren Berichten fest, dass in der Ukraine im Zeitraum zwischen dem 20. Februar bis 20. April insgesamt 1895 Dörfer in 41 von 44 Kreisen von Unruhen erfasst wurden. Insgesamt registrierten die Geheimdienste im Jahr 1930 über 4000 Massenaufstände. Die Gesamtzahl der Protestteilnehmer betrug fast 1,2 Millionen Menschen.

Im Gegensatz zu den Unruhen Anfang der 1920er Jahre verliefen die neuen Proteste weitgehend friedlich. Eine führende Rolle spielten hierbei häufig die Frauen. Es handelte sich dabei faktisch um den ersten großangelegten Versuch eines gewaltlosen Widerstandes gegen die Staatsmacht. Allerdings verwandelten sich die friedlichen Bauernproteste häufig in Abrechnungen mit den örtlichen Regierungsvertretern und regierungstreuen Aktivisten.

Josef Stalin, den das Ausmaß der Bauernaufstände im März in Schrecken versetzte, sah sich gezwungen, die Kollektivierung vorübergehend auszusetzen. Die Regierung erlaubte den Bauern, zusammen mit ihrem Eigentum aus den Kolchosen auszutreten. So gelang es bis im März 1930, die aufgebrachten ukrainischen Bauern zu beschwichtigen. In den Folgemonaten verließen sehr viele Bauern die Kolchosen. Bis zum Ende des Sommers blieben weniger als ein Drittel der Bauernhöfe der Ukrainischen SSR (USSR) in den Kolchosen bestehen. Im Herbst 1930 kehrte das Regime zur Politik der Kollektivierung zurück. Durch Steuererhöhung und mit Hilfe verschiedener Strafen gelang es der Staatsmacht schließlich, die Mehrheit der Bauern zum Beitritt oder Wiedereintritt in die Kolchosen zu zwingen. Bis Oktober 1931 wurden in der Ukraine 68% der Bauernhöfe und 72% des Ackerlandes vergemeinschaftet. Im Zeitraum zwischen 1930 und 1931 enttarnten die Organe der GPU (Geheimpolizei) Dutzende bäuerlicher Untergrundorganisationen. Tatsächlich waren einige davon auch von den Tschekisten selbst aufgestellt. Dennoch gab die nun in die Kolchosen getriebene ukrainische Gesellschaft nicht klein bei.

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