03 Der große Durchbruch

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Nach der Konsolidierung ihrer Macht Ende der 1920er Jahre beendeten die Kommunisten unter der Führung Stalins die Neue Ökonomische Politik (NÖP). Dies war der Beginn einer forcierten Industrialisierung, mit dem Ziel, eine mächtige Militärmacht aufzubauen, um unter Zwang den Kommunismus in der Welt zu verbreiten. Die Folgen dieser wirtschaftlichen Veränderungen waren einerseits die Entstehung der Schwerindustrie sowie ein sprunghafter Ausbau der Streitkräfte und andererseits ein Rückgang der Arbeitsproduktivität und damit einhergehend, der Verlust am Interesse an der geleisteten Arbeit.

Die Regierung greift zum Mittel der erbarmungslosen Ausbeutung der von ihr kontrollierten Bevölkerung, vorrangig der Bauern. Sie plant auf diese Weise, die notwendigen Ressourcen für die Industrialisierung und Modernisierung der Armee zu sichern. Die Disproportion zwischen den Preisen für landwirtschaftliche und industrielle Produkte (die sogenannte „Preisschere“) vergrößert sich. Auch die Steuerlast wird angehoben. Ende 1927 beschließt das Regime die Kollektivierung der Landwirtschaft. Im Januar 1928 wird die Zwangsgetreidebeschaffung eingeführt, was als Rückkehr zu den Methoden des „Kriegskommunismus“ bezeichnet werden konnte. Gleichzeitig wird mit der Vernichtung „wohlhabender“ Bauernhöfe begonnen, die das Regime als „Kurkulen“ (russisch „Kulaken“) bezeichnete. Die „Entkulakisierung“ ging mit der Eintreibung hoher Abgaben sowie Enteignung und Deportation einher. Bis 1931 wurden in der Ukraine über 352.000 sogenannter Kurkulen-Höfe liquidiert. Insgesamt wurden etwa 1,5 Millionen Personen durch das kommunistische Regime beraubt. Der Druck auf Geistliche und Intellektuelle nahm zu, denn in ihnen sahen die Machthaber eine Bedrohung für das Fortbestehen des totalitären kommunistischen Regimes. Zu den Maßnahmen, welche die Vernichtung der traditionellen bäuerlichen Lebensweise vorsahen, gehörte auch der Kampf gegen die Religion und die Schaffung des sogenannten Sowjetmenschen. Ende der 1920er Jahre begannen die Repressivorgane des kommunistischen Regimes, Strafsachen gegen Intellektuelle aus den Bereichen der Kultur, Kunst, Wissenschaft und Technik zu fabrizieren. 1928 wurde im Donbas ein Schauprozess gegen Ingenieure und technische Fachleute inszeniert, der als „Schachty-Prozess“ bekannt wurde. Zu dieser Zeit begannen auch die Prozesse gegen die ukrainische intellektuelle Elite. Hervorzuheben ist der symbolträchtige Prozess gegen den „Bund zur Befreiung der Ukraine“ („SWU“, 1929–1930). Auf der Anklagebank saßen Akademiemitglieder, Professoren, Studenten, Lehrer, Priester und Schriftsteller.

1931 wurde der Prozess gegen das „Ukrainische Nationale Zentrum“ konstruiert. Dabei wurde auch der berühmte Historiker und das Akademiemitglied Mychajlo Hruschewskyj in den Fall hineingezogen. Insgesamt waren in der Ukraine während und nach dem Prozess gegen die SWU mehr als 30.000 ukrainische Bürger Repressalien ausgesetzt.

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Quelle

Broschüre des Ukrainischen Instituts für Nationales Gedenken