12 Nach dem Holodomor: Die Folgen

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Der Holodomor kostete Millionen Menschen das Leben. Die entsetzlichen Umstände dieses Verbrechens und die Politik des bewussten Verschweigens seiner Folgen verhindern die Eruierung der genauen Anzahl der in den Jahren 1932-1933 durch Hunger getöteten unschuldigen Menschen und die Aufstellung einer vollständigen Namensliste der Opfer.

Die Folge des Genozidverbrechens war neben der physischen Vernichtung von Millionen von Menschen die Zerstörung der traditionellen ukrainischen Lebensweise. Der Hunger wurde zu einer biologischen Massenvernichtungswaffe und veränderte den Genpool des Volkes auf Jahrzehnte hin-aus. Er führte zu moralisch-psychologischen Veränderungen im kollektiven Bewusstsein der Ukrainer. James Mace kam zum Schluss, dass die ukrainische Gesellschaft aufgrund des Genozids traumatisiert wurde und bis heute weitgehend eine traumatisierte, postgenozidale Gesellschaft geblieben ist.

Der Holodomor zerstörte unzählige Familien wegen der hohen Mortalität, den Deportationen und der Migration auf der Suche nach Nahrung. Als Strafe für die Nichterfüllung der Getreideabgabequoten wurden manchmal sogar Ehepaare zwangsgetrennt.

Der Holodomor führte zur völligen Vernichtung der „ukrainischen Welt“ der Vor-Holodomorzeit, die sich von diesem Schlag nie mehr erholen konnte. Die traditionelle Kultur und Volksbräuche erlitten großen Schaden. Der Holodomor veränderte die gewohnten landwirtschaftlichen Arbeitsweisen auf dem Dorf vollständig. Zudem konfiszierte der Staat das im Verlauf der Jahrhunderte erworbene Land. Für viele Jahrzehnte wurden die ukrainischen Bauern zu entrechteten Kolchosarbeitern gemacht, ohne Pässe und Renten.

Der Widerstand des Dorfes war gebrochen. Die hungernden Menschen wurden schließlich von den Lebensmittelhilfen des Staates abhängig, welchem sie fortan völlige Loyalität und Ergebenheit schuldeten. Die Angst vor einem erneuten Holodomor verließ die Menschen, die ihn erlebt hatten, nie mehr. Es machte sich Gleichgültigkeit und politische Apathie gegenüber Gesellschaftsfragen breit. Hauptsache, man hatte wenigstens genug zu essen, um sich und die eigene Familie ernähren zu können.

Die psychologischen Folgen des Holodomor waren Schuldgefühle und Scham. Die Menschen fühlten sich dafür schuldig, dass sie ihre Familien und Verwandten nicht hatten retten können. Und sie fühlten Scham für ihre unmoralischen Taten, die sie begangen hatten, um selbst überleben zu können. Dennoch konnte der Holodomor zwischen 1932 - 1933 die Ukrainer nicht in „Sowjetmenschen“ verwandeln. Die Asche der Opfer der Repressalien, der Getöteten und verstorbenen Verwandten hinterließ bei vielen Ukrainern in ihren Herzen tiefe Spuren. Der Wider-stand gegen das kommunistische Regime dauerte auch in den nach-folgenden Jahrzehnten an. Das Resultat war schließlich das Allukrainische Referendum im Jahre 1991, bei dem sich über 90% der Ukrainer für die Unabhängigkeit ihres Vaterlandes entschieden.

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Quelle

Broschüre des Ukrainischen Instituts für Nationales Gedenken