07 Mechanismen des Holodomor

< Holodomor - Vernichtung durch Hunger
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Der Holodomor entstand als Ergebnis einer genau geplanten Politik des Kremls. Die Bolschewiki setzten die zwischen 1932 und 1933 eingesetzten Methoden, welche sie zur Unterwerfung gegen die Ukrainer angewendet hatten, später nie wieder ein. Das spricht für ihre Einzigartigkeit und Besonderheit. Nur in dieser Kombination konnten sie zu solch katastrophalen Folgen führen. In der ersten Etappe des Verbrechens begann man in den Dörfern mit der massenhaften Konfiszierung der gesamten Lebensmittel, welche sich im Gegensatz zur bisherigen Praxis, sich nicht allein auf das Getreide beschränkte. Für die Konfiszierungen wurde eine bedeutende Anzahl menschlicher Ressourcen benötigt. Daher wurden für die Requirierungen Mitarbeiter des kommunistischen Parteiapparates und bewährte Parteigenossen aus den Industriezentren hinzugezogen. Zur Beschlagnahmung der Lebensmittel wurden aus Parteimitgliedern, Komsomolzen und Aktivisten spezielle Einheiten gebildet, sogenannte „Schleppbrigaden“. Sie durchkämmten die ländlichen Gegenden und vollzogen die Durchsuchungen. Im Januar 1933 nahmen diese ausgebildeten Aktivisten während der Hausdurchsuchungen Millionen von Menschen alles Essbare ab und überließen sie massenhaft dem Hunger. Die Menschen begannen aus den vom Hunger erfassten Gebieten zu fliehen. Als zweites Instrument wurde daher die Isolierung der Hungernden eingesetzt. Dazu wurde die Praxis der „Schwarzen Tafeln“ eingeführt (ursprünglich wurden „schwarze Listen“ auf schwarzen Tafeln angebracht, daher der ukrainische Name „schwarze Tafeln“). Gleichzeitig wurde den Hungernden verboten, die Ukraine zu verlassen. Kolchosen und Dörfer, die auf den „Schwarzen Listen“ vermerkt waren, wurden von bewaffneten Einheiten der Miliz und sowjetischen Sondereinsatzkräften umstellt. Anschließend wurden alle Nahrungsmittelreserven eingesammelt und weggebracht. Darüber hinaus wurden der Handel und die Einfuhr aller Waren verboten. Für die Einwohner glich dies einem Todesurteil. Im Januar 1933 verbot das Regime den Dorfbewohnern außerdem die Ausreise aus dem Territorium der Ukraine und des Kuban-Gebietes, das vorwiegend von Ukrainern besiedelt war. Der Verkauf von Fahrkarten für den Eisenbahn- und Wasserweg wurde gestoppt. Die Wege in die Städte wurden blockiert. Diejenigen, denen die Flucht gelang, wurden verhaftet und in die Hungergebiete zurückgebracht. Hätte die Requirierung und Isolation ein Jahr lang gedauert, hätte das Regime „das ukrainische Problem endgültig gelöst“. Das vorrangige Ziel war aber, die Ukrainer in eine gehorsame Biomasse zu verwandeln und nicht die vollständige, physische Vernichtung.

So ging die Sowjetmacht 1933 zum dritten Akt des Verbrechens über. Um die Frühlingssaatkampagne sicherzustellen, erhielten die ukrainischen Regionen ab Februar 1933 Hilfe. Sie war aber nur für die lokalen Parteiführer, Aktivisten und Kolchosarbeiter bestimmt. Hingegen wurde die Hilfe denjenigen Menschen verweigert, welche mit aufgedunsenen Bäuchen und völlig entkräftet weiterhin an Hunger litten sowie allen Nicht-Mitgliedern der Kolchosen. Bestandteil des Hunger-Genozids war auch eine bewusste Informationsblockade. Im Januar 1933 gab der Volks-kommissar für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR, M. Litwinow eine Sondererklärung ab, in der es hieß, es gäbe im Land keinen Hunger. Daraufhin lehnte das stalinistische Regime Hilfe aus dem Ausland ab und zwang seine Bürger sogar, Lebensmittelpakete oder Geldsendungen abzulehnen, die sie von Verwandten oder Wohltätern aus dem Ausland erhielten. „Schwarze Tafeln“ aus dem Gebiet Dnipropetrowsk. Liste, die in der Regionalzeitung „Sorja“ am 1. Januar 1933 veröffentlicht wurde.

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Quelle

Aus der Broschüre des Ukrainischen Instituts für Nationales Gedenken:
Ukraine - Hungergenozid 1932-33